Der Windows-Dateiversionsverlauf ist eine praktische Funktion, die viele Nutzer aktivieren – doch manchmal schweigt sie sich einfach aus. Das Backup-Symbol zeigt zwar „aktiv“ an, aber neue Sicherungen? Fehlanzeige. Wer schon einmal eine wichtige Datei wiederherstellen wollte und dann feststellen musste, dass die letzte Sicherung Wochen zurückliegt, kennt dieses mulmige Gefühl im Magen.
Warum der Dateiversionsverlauf plötzlich streikt
Bevor wir in die Lösungsansätze eintauchen, lohnt sich ein Blick auf die häufigsten Ursachen. Der Dateiversionsverlauf ist empfindlicher als man denkt. Eine kurzzeitige Unterbrechung der Verbindung zum Backup-Laufwerk, ein Windows-Update oder schlicht ein voller Speicher können dazu führen, dass Windows die automatische Sicherung einstellt – ohne direkte Fehlermeldung.
Besonders tückisch: Windows merkt sich manchmal die Laufwerkszuordnung nicht korrekt, wenn Sie beispielsweise zwischen verschiedenen externen Festplatten wechseln oder ein Netzlaufwerk zeitweise nicht erreichbar war. Das System hält dann die Funktion für aktiv, führt aber im Hintergrund keine Backups mehr durch.
Erste Überprüfung: Ist das Laufwerk überhaupt noch da?
Klingt banal, ist aber der häufigste Stolperstein: Öffnen Sie den Windows Explorer und kontrollieren Sie, ob Ihr Backup-Laufwerk angezeigt wird. Bei externen USB-Festplatten kann ein Wackelkontakt oder ein defektes Kabel bereits ausreichen. Bei Netzlaufwerken prüfen Sie, ob die Verbindung zum NAS oder Server besteht.
Ein kleiner Trick am Rande: Öffnen Sie die Datenträgerverwaltung über das Kontextmenü der Windows-Schaltfläche. Hier sehen Sie alle angeschlossenen Laufwerke – auch solche, die im Explorer nicht auftauchen. Manchmal wurde einem Laufwerk schlicht kein Laufwerksbuchstabe zugewiesen, was den Dateiversionsverlauf verwirrt.
Die Konfiguration unter die Lupe nehmen
Navigieren Sie zu den Einstellungen über Start > Einstellungen > Update & Sicherheit > Sicherung. Dieser Pfad gilt für Windows 10. Unter Windows 11 erreichen Sie die Funktion über die Systemsteuerung oder direkt über die Suchfunktion mit dem Begriff „Dateiversionsverlauf“. Unter dem Punkt „Dateien mit Dateiversionsverlauf sichern“ sollte idealerweise Ihr Backup-Laufwerk aufgeführt sein. Klicken Sie auf Weitere Optionen – hier wird es interessant.
Diese erweiterte Ansicht zeigt Ihnen drei wichtige Informationen: Wann die letzte Sicherung stattfand, welche Ordner gesichert werden und wie viel Speicherplatz bereits belegt ist. Bei vielen Nutzern fällt an dieser Stelle auf, dass die letzte Sicherung verdächtig alt ist.
Manuellen Backup-Versuch starten
Scrollen Sie in den weiteren Optionen nach oben und klicken Sie auf Sicherung jetzt ausführen. Dieser manuelle Anstoß zeigt Ihnen sofort, ob das System grundsätzlich noch funktioniert. Beobachten Sie die Statusanzeige: Beginnt die Sicherung oder erhalten Sie eine Fehlermeldung?
Falls eine Fehlermeldung erscheint, notieren Sie sich deren genauen Wortlaut. Häufige Meldungen wie „Das Laufwerk ist nicht mehr verfügbar“ oder „Nicht genügend Speicherplatz“ geben bereits konkrete Hinweise auf das Problem.
Wenn der Speicherplatz zum Engpass wird
Der Dateiversionsverlauf speichert standardmäßig Versionen „für immer“ – was technisch natürlich nicht stimmt, aber Windows räumt erst auf, wenn der Speicher kritisch wird. Bei kleineren Backup-Laufwerken führt das schnell zu Problemen.
In den weiteren Optionen finden Sie die Einstellung „Meine Sicherungen aufbewahren“. Hier können Sie von „Für immer“ auf einen kürzeren Zeitraum wie „6 Monate“ oder „3 Monate“ umstellen. Das schafft Luft und erlaubt Windows, alte Versionen automatisch zu löschen.

Prüfen Sie außerdem direkt auf dem Backup-Laufwerk, wie viel Speicherplatz tatsächlich noch verfügbar ist. Als Faustregel gilt: Mindestens 20 Prozent sollten frei bleiben, damit die Sicherung reibungslos funktioniert.
Die Radikalkur: Laufwerk entfernen und neu hinzufügen
Wenn alle bisherigen Schritte nicht geholfen haben, hilft oft nur noch die Reset-Methode. Keine Sorge – Ihre bisherigen Backups bleiben dabei erhalten. Gehen Sie zurück zu Einstellungen > Update & Sicherheit > Sicherung > Weitere Optionen und scrollen Sie ganz nach unten. Dort finden Sie Verwendung eines anderen Laufwerks beenden.
Nach einem Klick darauf wird die Verbindung zum aktuellen Backup-Laufwerk getrennt. Windows vergisst sozusagen die bisherige Konfiguration. Starten Sie anschließend Ihren PC neu – dieser Schritt ist wichtig, damit alle Einstellungen wirklich zurückgesetzt werden.
Laufwerk neu konfigurieren
Nach dem Neustart gehen Sie erneut zu den Sicherungseinstellungen. Klicken Sie auf Laufwerk hinzufügen und wählen Sie Ihr Backup-Laufwerk aus der Liste. Windows erkennt in den meisten Fällen automatisch, dass auf diesem Laufwerk bereits Sicherungsdaten vorhanden sind und bietet an, diese weiterzunutzen.
Führen Sie anschließend sofort eine manuelle Sicherung durch, um zu testen, ob alles funktioniert. Kontrollieren Sie in den folgenden Tagen regelmäßig, ob automatische Backups erstellt werden.
Versteckte Fehlerquellen im System
Manchmal liegt das Problem tiefer im System. Der Windows-Dienst für den Dateiversionsverlauf kann deaktiviert sein oder nicht ordnungsgemäß laufen. Drücken Sie Windows-Taste + R, geben Sie services.msc ein und suchen Sie nach dem Dienst „Dateiversionsverlauf-Dienst“.
Dieser sollte den Status „Wird ausgeführt“ haben und als Starttyp „Manuell“ eingestellt sein. Falls der Dienst gestoppt ist, klicken Sie mit der rechten Maustaste darauf und wählen „Starten“. Bei wiederholten Problemen kann es helfen, den Starttyp auf „Automatisch“ zu ändern – damit stellt Windows sicher, dass der Dienst immer verfügbar ist.
Alternative Ursachen: Berechtigungen und Netzwerkprobleme
Bei Netzlaufwerken als Backup-Ziel können Berechtigungsprobleme auftreten. Stellen Sie sicher, dass Ihr Windows-Benutzerkonto Schreib- und Leserechte für das Netzlaufwerk besitzt. Öffnen Sie das Laufwerk im Explorer, erstellen Sie testweise einen neuen Ordner – funktioniert das problemlos?
Instabile WLAN-Verbindungen können ebenfalls Schuld sein. Der Dateiversionsverlauf bricht ab, wenn während der Sicherung die Verbindung unterbrochen wird. Bei größeren Datenmengen empfiehlt sich eine kabelgebundene Netzwerkverbindung.
Präventive Maßnahmen für die Zukunft
Um künftige Probleme zu vermeiden, richten Sie am besten eine Erinnerung ein, die Sie monatlich daran erinnert, die letzte Sicherung zu überprüfen. Das kostet nur eine Minute, erspart aber möglicherweise großen Ärger.
Bei externen USB-Festplatten sollten Sie das Laufwerk immer über „Hardware sicher entfernen“ trennen. Ein plötzliches Abziehen kann Konfigurationsdaten beschädigen und den Dateiversionsverlauf durcheinanderbringen.
Erwägen Sie außerdem, kritische Daten zusätzlich in der Cloud zu sichern. Der Dateiversionsverlauf ist praktisch, aber kein Ersatz für eine umfassende Backup-Strategie. Eine bewährte Methode ist die 3-2-1-Regel: Drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Medientypen, eine davon außer Haus. So sind Ihre wichtigen Dateien auch bei Hardwareausfällen oder anderen Notfällen geschützt.
Inhaltsverzeichnis
