Was Chipshersteller dir nicht verraten dürfen: Diese 7 Tricks in der Zutatenliste täuschen selbst gesundheitsbewusste Käufer

Kartoffelchips gelten bei vielen als einfacher Snack für zwischendurch – schließlich suggeriert die Zutatenliste auf den ersten Blick oft Natürlichkeit. Doch hinter harmlos klingenden Begriffen verbergen sich häufig Zusatzstoffe, die gesundheitsbewusste Käufer kaum auf dem Radar haben. Während offensichtliche Geschmacksverstärker zunehmend kritisch beäugt werden, schlüpfen andere Substanzen nahezu unbemerkt durch die Aufmerksamkeit der Verbraucher.

Die Illusion der Einfachheit: Wenn Kartoffeln nicht gleich Kartoffeln sind

Viele Verbraucher greifen zu Chips in der Annahme, ein Produkt aus wenigen, nachvollziehbaren Zutaten zu kaufen. Die Realität sieht allerdings komplexer aus. Neben den Hauptbestandteilen Kartoffeln, Öl und Salz tauchen in der Zutatenliste regelmäßig Begriffe auf, die auf den zweiten Blick entschlüsselt werden müssen. Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Hersteller geschickt mit Formulierungen arbeiten, die den wahren Charakter der verwendeten Substanzen verschleiern.

Ein typisches Beispiel sind Hefeextrakte, die häufig als natürliche Alternative zu klassischen Geschmacksverstärkern präsentiert werden. Rechtlich zählen sie nicht zu den kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffen, obwohl sie funktional dieselbe Aufgabe erfüllen: Sie intensivieren herzhaften Geschmack und können eine regelrechte Geschmacksexplosion erzeugen, die das natürliche Sättigungsgefühl überlagert. Wer bewusst auf E-Nummern verzichten möchte, übersieht diese Zutat leicht.

Acrylamid: Der unsichtbare Begleiter beim Knabbern

Während Zusatzstoffe zumindest deklariert werden müssen, gibt es Substanzen, die während des Herstellungsprozesses entstehen und dennoch nirgends auf der Verpackung auftauchen. Acrylamid bildet sich, wenn stärkehaltige Lebensmittel wie Kartoffeln bei hohen Temperaturen erhitzt werden – ein Prozess, der bei der Chips-Produktion unvermeidlich scheint.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft Acrylamid als potenziell krebserregend ein. Seit 2018 gelten verbindliche Richtwerte für industrielle Hersteller, die bei 750 Mikrogramm pro Kilogramm für Kartoffelchips liegen. Die überwiegende Mehrheit der Hersteller hält diese Werte ein – aktuelle Untersuchungen zeigen, dass 97 Prozent der industriell hergestellten Chips 2023 die festgelegten Richtwerte einhielten. Verbraucher haben dennoch keine Möglichkeit, den tatsächlichen Acrylamidgehalt eines Produkts zu erkennen, da keine Kennzeichnungspflicht besteht. Besonders stark gebräunte Chips weisen tendenziell höhere Werte auf – ein Detail, das bei der Kaufentscheidung kaum Berücksichtigung findet.

Aromaverstärker in neuem Gewand

Die zunehmende Ablehnung von Glutamat und anderen klassischen Geschmacksverstärkern hat zu kreativen Lösungen in der Lebensmittelindustrie geführt. Statt diese Stoffe offen zu deklarieren, setzen Hersteller auf Zutaten, die denselben Effekt erzielen, aber nicht unter die Kategorie „Zusatzstoffe“ fallen.

Würze aus fermentiertem Gemüse, natürliche Aromen oder modifizierte Stärke klingen zunächst unbedenklich. Doch hinter diesen Bezeichnungen verbergen sich oft hochkomplexe Zubereitungen, die das Geschmackserlebnis manipulieren sollen. Natürliche Aromen beispielsweise müssen keineswegs aus der namensgebenden Zutat stammen – ein Käsearoma kann durchaus biotechnologisch aus Bakterienkulturen gewonnen werden, ohne dass jemals Käse im Spiel war.

Die Grauzone der modifizierten Stärke

Modifizierte Stärke erfüllt in Chips verschiedene Funktionen: Sie verbessert die Textur, bindet Fett und sorgt für eine gleichmäßigere Bräunung. Chemisch oder physikalisch veränderte Stärke muss nicht mit einer E-Nummer gekennzeichnet werden, obwohl sie strukturell deutlich von natürlicher Kartoffelstärke abweicht. Für Menschen mit Unverträglichkeiten oder solche, die auf möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel achten, bleibt diese Information dennoch relevant.

Palmöl und seine Derivate: Mehr als nur eine Umweltfrage

Die Diskussion um Palmöl konzentriert sich häufig auf ökologische Aspekte. Aus gesundheitlicher Sicht verdient jedoch ein anderer Punkt Aufmerksamkeit: Beim Erhitzen von Palmöl und anderen pflanzlichen Ölen entstehen während der Raffination Fettsäureester, insbesondere Glycidyl-Fettsäureester, die als gesundheitlich bedenklich gelten. Diese können im Körper in Glycidol umgewandelt werden, das als krebsverdächtig und erbgutschädigend eingestuft wird. Diese Stoffe müssen nicht deklariert werden und variieren je nach Verarbeitungstemperatur und Methode erheblich.

Interessanterweise verwenden einige Hersteller Formulierungen wie „pflanzliches Öl“ ohne konkrete Spezifizierung. Rechtlich ist dies unter bestimmten Umständen zulässig, erschwert jedoch die informierte Kaufentscheidung erheblich. Wer gezielt Palmöl meiden möchte, muss genau hinschauen und gegebenenfalls beim Hersteller nachfragen.

Mineralölbestandteile: Die unerwünschten Gäste aus der Verpackung

Ein weiterer kritischer Punkt, der Verbraucher überraschen dürfte: In zahlreichen Chipsprodukten werden Mineralölbestandteile nachgewiesen, die nicht deklariert werden müssen. Diese Substanzen, unterteilt in gesättigte Mineralölkohlenwasserstoffe (MOSH) und aromatische Mineralölkohlenwasserstoffe (MOAH), gelangen meist über Verpackungsmaterialien oder verwendete Öle in die Lebensmittel.

Besonders problematisch sind die aromatischen Varianten, unter denen sich krebserregende Verbindungen befinden können. MOSH können sich im Körper anreichern, während MOAH als potenziell krebserregend gelten. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass in acht getesteten Chipsprodukten Mineralölbestandteile nachgewiesen wurden – meist nur in Spuren, aber dennoch bedenklich für den langfristigen Konsum.

Antioxidationsmittel: Schutz für das Produkt, Fragen für den Körper

Um die Haltbarkeit zu verlängern und das Ranzigwerden der Fette zu verhindern, kommen häufig Antioxidationsmittel zum Einsatz. Rosmarinextrakt klingt natürlich und gesund, erfüllt aber denselben Zweck wie synthetische Alternativen. Während pflanzliche Extrakte grundsätzlich weniger kritisch bewertet werden, können auch sie bei empfindlichen Personen Reaktionen auslösen.

Synthetische Antioxidationsmittel wie Butylhydroxyanisol (BHA) oder Butylhydroxytoluol (BHT) sind zwar kennzeichnungspflichtig, tauchen aber in der Zutatenliste oft zwischen anderen Begriffen auf und werden leicht überlesen. Beide Stoffe stehen im Verdacht, hormonelle Wirkungen zu entfalten, sind aber in der EU weiterhin zugelassen.

Die Tücke der Portionsangaben

Ein weiterer Aspekt, der nicht direkt mit Zusatzstoffen zu tun hat, aber dennoch in die Kategorie versteckter Probleme fällt, sind die Nährwertangaben. Diese beziehen sich häufig auf unrealistisch kleine Portionen von 25 oder 30 Gramm – eine Menge, die beim tatsächlichen Konsum selten eingehalten wird. Die absolute Aufnahme von Salz, Fett und eben auch von Zusatzstoffen liegt dadurch in der Praxis deutlich höher als auf den ersten Blick ersichtlich.

Worauf achtsame Verbraucher achten sollten

Die Zutatenliste bietet trotz aller Verschleierungstaktiken wertvolle Hinweise. Je kürzer sie ist, desto wahrscheinlicher handelt es sich um ein weniger stark verarbeitetes Produkt. Ein kritischer Blick lohnt sich immer, denn zwischen harmlos klingenden Begriffen verstecken sich oft Substanzen, die das Geschmackserlebnis gezielt manipulieren oder durch Herstellungsprozesse entstehen. Hefeextrakt und fermentierte Zutaten können geschmacksverstärkend wirken, ohne als Zusatzstoff zu gelten. Die Formulierung „natürliche Aromen“ gibt keinen Aufschluss über die tatsächliche Herkunft, und modifizierte Stärke ist technisch verändert, auch wenn keine E-Nummer angegeben wird.

Unspezifische Angaben wie „pflanzliches Öl“ erschweren die Nachvollziehbarkeit erheblich. Antioxidationsmittel – ob natürlich oder synthetisch – erfüllen konservierende Funktionen, während Mineralölbestandteile vorhanden sein können, ohne in der Zutatenliste aufzutauchen. Glycidyl-Fettsäureester entstehen bei der Ölverarbeitung und müssen ebenfalls nicht deklariert werden, obwohl sie als bedenklich gelten.

Praktische Tipps für den Einkauf

Produkte mit nur drei bis vier Zutaten sind meist die bessere Wahl. Wer die Möglichkeit hat, kann durch gezielte Nachfragen beim Hersteller zusätzliche Informationen über Herstellungsverfahren und Rohstoffquellen einholen. Viele Unternehmen sind mittlerweile verpflichtet, auf Verbraucheranfragen detailliert zu antworten.

Die Farbe der Chips gibt ebenfalls Hinweise: Sehr dunkle, stark gebräunte Exemplare enthalten mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr Acrylamid. Dickere Chips werden tendenziell bei niedrigeren Temperaturen gebacken und weisen dadurch oft geringere Werte auf.

Interessanterweise schneiden Bio-Produkte nicht automatisch besser ab, wie viele vermuten würden. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass konventionelle Hersteller das Acrylamid-Problem teilweise besser im Griff haben als Bio-Anbieter. Zudem wurden in einigen Bio-Chipssorten die problematischeren aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffe nachgewiesen, und auch Glycidyl-Fettsäureester kommen in größeren Mengen öfter in Bio-Produkten vor. Das Bio-Siegel allein ist also keine Garantie für die Abwesenheit dieser spezifischen Problemstoffe.

Der bewusste Konsum bleibt die effektivste Strategie. Kartoffelchips müssen nicht vollständig gemieden werden, doch die Kenntnis über versteckte Zusatzstoffe und Produktionsprozesse ermöglicht eine informierte Entscheidung. Wer weiß, was in der Tüte steckt, kann gezielt auswählen und muss sich nicht auf vage Versprechen der Verpackungsgestaltung verlassen.

Welcher versteckte Chipszusatz überrascht dich am meisten?
Hefeextrakt als Geschmacksverstärker
Acrylamid entsteht beim Frittieren
Mineralöl aus der Verpackung
Natürliche Aromen aus Bakterien
Bio ist nicht besser

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